Rauchen


Während fast alle kommerziellen Kneipen, Lokale und Discos aufgrund von so genannten Nichtraucherschutzgesetzen mittlerweile rauchfrei sind, wird in den meisten kulturellen Einrichtungen der linken Szene fröhlich weiter gequalmt.
Froh macht das allerdings nicht alle. Die, die eigentlich nicht rauchen möchten werden vor die Wahl gestellt entweder zu Hause zu bleiben oder eben doch mitzurauchen. Manche scheint das nicht zu stören, andere nehmen dann als Folge eben einen Rauch-Kater, brennende Augen oder Halsschmerzen hin.
Für manche aber (wie z. B. AsthmatikerInnen oder AllergikerInnen) sind die Auswirkungen des Rauchs so stark, dass ihnen keine Wahl bleibt: Während die anderen fröhlich feiern gehen, müssen sie zu Hause bleiben. Fakt ist also: Wenn drinnen geraucht wird, werden andere ausgeschlossen. Wir finden diesen Zustand unhaltbar.
Werden in Diskussionen rauchfreie Räume gefordert, zeigen viele zwar Verständnis, die Ergebnisse lösen das Problem oft jedoch nicht. Hier einige Beispiele:

„Wenn eine sagt, dass der Rauch stört, dann werden wir darauf Rücksicht nehmen.“

Das ist zwar nett gemeint, nützt aber leider nichts. Konkret heißt das, dass eine Nichtraucherin auf eine verrauchte Party kommt, jeder einzelnen Person erklären muss, dass es ein Problem gibt oder sie muss die Musik ausmachen und laut sagen, dass Passiv-Rauchen für sie ein Problem ist. Das geht aus zwei Gründen nicht:
Erstens ist das für viele gar nicht möglich, weil die Auseinandersetzung in einem verrauchten Raum stattfinden müsste, was ja gerade die Barriere darstellt. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass eine Person in den Raum reinruft: “Ich hab ein Problem mit Rauch, kann hier aber nicht rein um mit euch zu diskutieren!“ und dann alle 30 oder mehr RaucherInnen mal eben nach draußen gehen um mit einer Nichtraucherin darüber zu sprechen, wo ab jetzt geraucht wird und wie der Raum am besten gelüftet werden kann, damit sie ihn etwas später dann auch betreten kann?
Zweitens bleibt dadurch das Problem an der Nichtraucherin hängen und sie wird in die Rolle der Spielverderberin gezwungen. Oft bedeutet das, dass sie sich den bescheuerten Reaktionen einer ganzen Gruppe stellen muss.
Solche individuellen Lösungen sind keine Lösungen. Es braucht deshalb generelle Lösungen, die von allen getragen werden.
„Was ich mit meiner Gesundheit mache, ist meine Entscheidung. Ich lasse mir nichts vorschreiben oder verbieten. Schon gar nicht vom Staat.“
Alle sollen selbst entscheiden, was sie mit ihrer Gesundheit machen. Es geht hier überhaupt nicht darum irgendjemanden vom Rauchen abzuhalten.
Wir möchten nur selbst nicht mitrauchen müssen. Dass der Rauch nicht bei der Person bleibt die ihn rauchen möchte, dafür können wir nichts. Es wäre falsch NichtraucherInnen in einen Topf mit dem Staat zu schmeißen.

„Durch ein Rauch-Verbot werden RaucherInnen ausgeschlossen bzw. diskriminiert.“

Wenn RaucherInnen zum Rauchen nach draußen gehen müssen, dann gilt dieser Ausschluss für die Zeit einer Zigarettenlänge, dessen Zeitpunkt der/die RaucherIn selbst bestimmen kann. Wenn jedoch auf der ganzen Veranstaltung geraucht wird, dann sind NichtraucherInnen für die gesamte Zeit der Veranstaltung ausgeschlossen. Der dauerhafte Ausschluss von NichtraucherInnen steht in keinem Verhältnis zur vergleichsweise kleinen Einschränkung, die RaucherInnen durch rauchfreie Räume hinnehmen müssen. Es geht nicht um Diskriminierung sondern Rücksichtnahme.

„Es ist doch schon alles rauchfrei, geht eben woanders feiern!“

Tatsächlich wird immer wieder das Argument genannt, dass gerade linke Freiräume einen Rückzugsraum für RaucherInnen darstellen, da der Staat ja in allen anderen Räumen das Rauchen verboten hat. Umgekehrt heißt das aber, dass NichtraucherInnen aus linken Kultureinrichtungen ausgeschlossen werden. Das geht nicht. Linke Kultureinrichtungen müssen für alle zugänglich sein, ob sie rauchen oder nicht. Kritik an den Anti-Rauch-Gesetzen hin oder her. Staat hin oder her.

„Bisher hat sich ja niemand beschwert.“

Dass sich viele nicht (mehr) beschweren heißt nicht, dass sie der Rauch nicht stört. Viele haben sich damit abgefunden, weil die Ignoranz einfach zu groß ist. Übrig bleiben die, die nicht die Wahl haben, ob sie lieber eine Auseinandersetzung mit uneinsichtigen RaucherInnen oder den Qualm auf sich nehmen wollen. Ihnen bleibt nur die Auseinandersetzung oder der Rückzug. Das Problem darf jedoch nicht an diesen Personen hängen bleiben. Es braucht deshalb sowohl mehr Solidarität unter NichtraucherInnen als auch mehr Rücksichtnahme und Einsicht von RaucherInnen.

„Rauchfreie Partys sind nicht durchsetzbar.“

Wenn sich nicht alle Anwesenden bereit erklären gemeinsam darauf zu achten, dass NichtraucherInnen nicht durch Rauchen ausgeschlossen werden, dann wird die Verantwortung auf die Betroffenen abgeschoben.
Wenn die erste Person sich eine Zigarette ansteckt, heißt das meistens, dass sich fast alle, die sich bis dahin das Rauchen verkniffen haben auch eine anstecken. Das bedeutet, das NichtraucherInnen permanent fürchten müssen, durch Rauchen rausgeschmissen zu werden, weil es dann für sie nicht mehr möglich ist, zu bleiben und sie nicht mit der Unterstützung anderer rechnen können. Für allergische NichtraucherInnen kann schon eine einzige Zigarette ein Problem bedeuten, das sie zwingt, den Raum zu verlassen.

Rauchsport

Wenn NichtraucherInnen sich nicht dafür einsetzen, bleibt es wie es ist: verraucht und somit nicht für sie zugänglich. Das muss sich ändern. Wir haben keine Lust den Anspruch auf rauchfreie Räume ständig zu verteidigen und uns zu rechtfertigen und tausend blöde Argumente auseinander nehmen zu müssen.
Rauchen gehört zwar seit langer Zeit zur linken Subkultur, für uns ist es jedoch nicht links andere durch das Rauchen auszuschließen.

Damit NichtraucherInnen auch an Veranstaltungen in linken Freiräumen teilnehmen können, ist es nötig, dass draußen geraucht wird, oder dass es separate RaucherInnen-Räume gibt außerhalb der Räume in denen das Programm stattfindet.
Es braucht einen Konsens, der von allen getragen wird, damit es nicht die Betroffenen sind, die permanent dafür kämpfen müssen, dass sie bleiben können.


Linksradikale NichtraucherInnen im Aug. 2010

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